Reinigung und Erhaltung



Betonpflasterflächen können mit den üblichen Straßenreinigungsgeräten, also mit Kehr- oder Kehrsaugmaschinen, gereinigt werden. Das Reinigen der Flächen darf allerdings nicht zu einer erheblichen Entleerung der Fugen führen, da dies die Stabilität der Pflasterdecke gefährden würde. Besonders zu beachten ist, dass die maschinelle Reinigung erst einsetzen sollte, wenn sich das Fugenmaterial mit Feinanteilen derart angereichert und verfestigt hat, dass es gegen Fugenaustrag ausreichen widerstandsfähig ist. Je nach örtlicher Lage und Nutzung der Fläche sind hierzu unterschiedlich lange Zeiträume erforderlich.

Wissenschaftliche Untersuchungen, bei denen der horizontale Verschiebungswiderstand von Pflasterdecken mit einem Spreizgerät gemessen wurde (Krass, Jung und Rohleder, 2002), zeigen, dass neue Pflasterdecken bis zu einem Alter von etwa ein bis zwei Jahren einen geringeren Verschiebungswiderstand aufweisen als ältere bzw. deutlich ältere Pflasterdecken.

In den ersten drei Monaten nach Verkehrsübergabe sollte daher auf eine maschinelle Reinigung gänzlich verzichtet werden und die Reinigung nur von Hand erfolgen. Kehrmaschinen mit Saugwirkung sollten erst nach etwa einjähriger Liegezeit der Pflasterdecke verwendet werden, sofern festgestellt wird, dass sich das Fugenmaterial bis dahin ausreichend stabilisiert hat. Zu bevorzugen sind Kehrsaugmaschinen mit lediglich horizontaler Saugwirkung. Auf Kehrsaugmaschinen mit vertikaler Saugwirkung sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.

Führt die Reinigung dazu, dass die Fugen nicht mehr vollständig mit Fugenmaterial gefüllt sind, muss unverzüglich fehlendes Fugenmaterial ergänzt werden. Unvollständig gefüllte Fugen können zu Verschiebungen und Verkantungen einzelner Pflastersteine, insbesondere in stark beanspruchten Bereichen, führen und die Funktionsfähigkeit der Pflasterdecke erheblich einschränken. Der Gefahr des Austrags von Fugenmaterial sollte bereits bei der Planung durch Auswahl eines für die jeweiligen Bedingungen geeigneten Fugenmaterials entgegengewirkt werden.

Hierzu ist anzumerken, dass der Einsatz von Fugenmörteln keine empfehlenswerte Variante darstellt. Alternativ wird empfohlen, auch in überdachten Bereichen mit ungebundenem Fugenmaterial zu arbeiten und hier auf den Einsatz maschineller Reinigungsgeräte nach Möglichkeit ganz zu verzichten.


Erhaltung


Betonpflasterdecken haben bei fachgerechter Planung und Ausführung sowie bei sorgfältiger Auswahl der Baustoffe und Baustoffgemische eine lange Nutzungsdauer, die vor allem durch die Dauerhaftigkeit der Tragschichten sowie der Bettung und Fugenfüllung bestimmt wird. Die normgerecht hergestellten Betonpflastersteine selbst haben oftmals eine sehr viel längere Lebensdauer als die mit ihnen hergestellte Verkehrsflächenbefestigung.

Eine regelmäßige Erfassung des Zustandes der Pflasterdecke durch den Baulastträger ist – wie bei anderen Bauweisen auch – erforderlich. Wesentliches Augenmerk ist dabei auf den Zustand der Fugen und der Fugenfüllung zu legen. Sind die Fugen nicht mehr vollständig gefüllt, muss unverzüglich fehlendes Fugenmaterial ergänzt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Pflasterdecke Horizontalkräfte nicht mehr ordnungsgemäß übertragen kann. Verschiebungen und Verkantungen von Pflastersteinen wären die Folge. Weitreichende Schäden an der Fläche wären zu erwarten. Wie die Ergebnisse einer Forschungsarbeit zeigen, ist ab einer Fugenentleerung von ca. 20 % der Steindicke/Fugenhöhe bereits die Stabilität der Pflasterdecke gemindert. Im Sinne eines vereinfachten Vorgehens bei der Zustandserfassung ist ab einer Fugenentleerung von 1 cm Tiefe – gemessen ab Oberkante Stein bzw. ab Unterkante Fase – „Unvollständige Fugenfüllung" zu dokumentieren.

Werden bei der Zustandserfassung Unebenheiten, z. . als mulden- oder wellenartige Verformung, festgestellt und sind sie so stark ausgeprägt, dass sie einen Wasserrückhalt verursachen können, so sind sie unverzüglich zu beseitigen.

Bei Aufgrabungs-, Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten können in der Regel mehr als 90 % der aufgenommenen Steine ohne besondere Aufbereitung wiederverwendet werden. Diese Aussage gilt jedoch nur für die Regelbauweise mit ungebundenen Bettungs- und Fugenmaterialien. Um nicht wiederverwertbare oder fehlende Steine ersetzen zu können, wird empfohlen, je nach Projekt und Steinsorte einen angemessenen Steinvorrat vorzuhalten.


Aufgrabungen


Betonpflastersteine aus ungebundenen Pflasterdecken lassen sich problemlos abschnittsweise aufnehmen und später an gleicher Stelle wieder verlegen. Die Pflasterbauweise bietet daher den Vorteil, Aufgrabungen, z. B. zur Verlegung oder Reparatur von Ver- und Entsorgungsleitungen, so durchzuführen, dass in der Regel keine optischen und verkehrstechnischen Beeinträchtigungen der Verkehrsfläche verbleiben. Hierzu ist jedoch wesentlich, dass die aufgenommenen Steine sorgfältig zwischengelagert werden, damit sie später für die Wiederherstellung der Pflasterfläche wieder vollständig zur Verfügung stehen. Insbesondere bei größeren Aufgrabungen muss sichergestellt werden, dass keine Steine mit dem Aushubmaterial oder durch Diebstahl verloren gehen. Müssen ersatzweise neue Steine geliefert werden, sind Farbabweichungen zu den bereits vorhandenen Steinen in der Regel gegeben. In Einzelfällen, insbesondere, wenn die Fläche gestalterisch in Teilflächen untergliedert ist, kann es daher zweckmäßig sein, die Pflastersteine einer zusammenhängenden, von der Aufgrabung betroffenen Teilfläche komplett auszutauschen. Lässt sich die Aufgrabungsfläche unter Verwendung der Steine nicht vollständig schließen, so ist ggf. das Schneiden von Pass-Steinen notwendig.

Bei der Herstellung eines Leitungsgrabens oder einer Baugrube ist das Pflaster so breit aufzunehmen, dass beim weiteren Aushub der verbleibende Belag nicht mehr beschädigt oder gelöst wird. Nach den ZTV A-StB muss in einem Bereich, dessen Breite über die Grabenbreite hinausgeht, die Pflasterdecke aufgenommen werden, um die gelockerten Randbereiche der ungebundenen Tragschicht nachverdichten zu können. Es sind deshalb parallel zur Grabenkante Abtreppungen auf jeder Seite der Aufgrabung in einer Breite von mindestens 15 cm bei Grabentiefen bis zu 2,00 m und von mindestens 20 cm bei Grabentiefen von mehr als 2,00 m vorzusehen. Bei gepflasterten Fahrbahnen und Parkstreifen sind verbleibende Reststreifen mit einer Breite zum Pflasterrad von weniger als 40 cm ebenfalls aufzunehmen. Bei Geh- und Radwegen müssen Reststreifen von einer Formatbreite oder einer Breite von bis zu 20 cm einschließlich der eventuell vorhandenen gebundenen Tragschicht entfernt werden.

Je nach vorgefundenem Bettungsmaterial besteht die Gefahr, dass beim Verdichten der Grabenverfüllung oder der ungebundenen Tragschicht Bettungsmaterial unter den Steinen am Grabenrand ausrieselt und sich die Steine lockern. Ist an den Fugenbreiten erkennbar, dass sich der Pflasterverband seitlich neben dem Grabenrand in größeren Bereichen gelockert hat, so sind entsprechend größere Randstreifen, mindestens in Formatbreite, aufzunehmen.

Die gleiche Problematik entsteht, wenn Pflasterdecken in einer ungebundenen Bettung auf einer gebundenen Tragschicht (z. B. Asphalttragschicht) verlegt wurden. Hier muss vor dem Einbau der gebundenen Tragschicht ein Rückschnitt dieser Schicht nach den ZTV A-StB erfolgen, um die darunter befindliche ungebundene Trag- bzw. Frostschutzschicht im Randbereich nachverdichten zu können. In der Pflasterdecke ist eine zusätzliche Abtreppung von einer Formatbreite erforderlich. Zusätzlich kann die Aufnahme weiterer Pflastersteine notwendig werden, wenn diese sich augenscheinlich gelockert haben. Wurden die Pflastersteine in einer Mörtelbettung auf der gebundenen Tragschicht verlegt, lockern sich diese im Allgemeinen nicht. Die Abtreppung gemäß den ZTV A-StB ist dennoch erforderlich.

Die Wiederherstellung der Pflasterdecke ist nach den Vorgaben der ZTV A-StB, der ZTV Pflaster-StB und den ATV DIN 18318 durchzuführen. Dies gilt insbesondere für die Wiederherstellung von Zwickelflächen oder von Anschlüssen und das damit verbundene Anfertigen von Pass-Steinen.

Gemäß den ZTV A-StB ist das einzubauende Pflaster in Form und Farbe an die vorhandene Pflasterdecke anzupassen. Dort, wo ganze Pflastersteine vorhanden waren, sind auch wiederum ganze Steine in gleicher Farbe zu verwenden. Dabei ist darauf zu achten, dass wiederverwendete Pflastersteine in den Bereichen eingebaut werden, in denen sie aufgenommen wurden. Neue, als Ersatz für beschädigte Pflastersteine zu verwendende Steine sollten in zusammenhängenden Flächen eingebaut werden.

Das für die Wiederherstellung der Aufgrabungen zu verwendende Bettungs- und Fugenmaterial sollte dem jeweils vorgefundenen Material entsprechen. Entspricht das vorgefundene Material nicht den Vorgaben der TL Pflaster-StB bzw. den ZTV Pflaster-StB, ist vor der Wiederherstellung mit dem Auftraggeber zu vereinbaren, wie zu verfahren ist.

Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Wiederherstellung ist die sorgfältige Reinigung der aufgenommenen Steine von gegebenenfalls anhaftenden Resten von Bettungs- oder Fugenmaterial (Pflasterkitt). Nur mit sorgfältig gereinigten Steinen kann wieder eine durchgängige, den technischen Regeln entsprechende Fugenfüllung erreicht werden, die für die Standfestigkeit der Pflasterdecke unabdingbare Voraussetzung ist.


Quelle:
"Dauerhafte Verkehrsflächen mit Betonpflastersteinen - Richtig planen und ausführen"
Herausgeber: SLG, Bonn in Zusammenarbeit mit der BetonMarketing Deutschland GmbH, Erkrath
Autoren: Prof. Dr.-Ing. Martin Köhler, Dipl.-Ing. Dietmar Ulonska, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Frohmut Wellner
4., fachlich und redaktionell überarbeitete Auflage, Juni 2014