Optische Beurteilung von Pflasterdecken



Allgemeines


Gestalterische Ansprüche an Betonpflastersteine können im Vorfeld durch Bemusterung festgelegt werden. Werden solche Vergleichsmuster vereinbart, sollten sie aus einer genügend großen Anzahl von Pflastersteinen bestehen, um das Aussehen der endgültigen Fläche in Bezug auf Farbe, Textur und Oberflächenbeschaffenheit sowie deren unvermeidliche Schwankungsbreite hinreichend beurteilen zu können.

 

Verband, Fugenbreite, Fugenverlauf


Der vereinbarte Verband (das Verlegemuster) muss in den dafür vorgesehenen Flächen – dies können auch Teilflächen sein – grundsätzlich gleichmäßig ausgeführt werden. Dies gilt auch bei maschineller Verlegung. Dabei müssen die Fugenachsen einen gleichmäßigen Verlauf aufweisen (vgl. ATV DIN 18318). Zulässige Abweichungen werden von den ATV DIN 18318 nicht genannt. Es wird empfohlen, bezogen auf eine 4 m lange Messstrecke, keine größeren Abweichungen als +- 5 mm von den planmäßigen Fugenachsen zuzulassen. Derartige Abweichungen werden erfahrungsgemäß in den meisten Fällen nicht als „störend", also subjektiv als „noch gleichmäßiger Fugenverlauf" empfunden.

Das Aufheben der gleichmäßigen Anordnung der Pflastersteine kann in Anschlussbereichen, Kurven, Rundungen oder Abwinkelungen erforderlich sein, um die Anforderungen der ZTV Pflaster-StB an „Anschlüsse" zu erfüllen. Die in den Technischen Regeln genannten Fugenbreiten sollten grundsätzlich eingehalten werden.

 

Kantenabplatzungen


Die im eingebauten Zustand sichtbaren Kanten von Pflastersteinen aus Beton können unterschiedlich ausgebildet sein. Je nach Produkttyp sind die Kanten scharfkantig, gebrochen, abgerundet, gefast, abgeschrägt und/oder unregelmäßig geformt. Die Beschreibung der Eigenschaft „scharfkantig" ist in der DIN EN 1338 ausgeführt. Die Ausbildung der Kanten hat z. B. Einfluss auf das optische Erscheinungsbild im eingebauten Zustand. In technischer Hinsicht ergibt sich ein Einfluss auf die Rollgeräuschemissionen und auf das Abflussverhalten oberflächlich anfallenden Wassers.

Scharfkantige Bauteile haben eine höhere Kantenempfindlichkeit als z. B. gefaste Bauteile. Dies gilt auch für Pflastersteine. Geringfügige Ausbrüche oder Abplatzungen an den Kanten von Pflastersteinen sind daher nicht zu vermeiden und stellen im Allgemeinen keinen Produktmangel dar. Ausbrüche oder Abplatzungen gelten als geringfügig, wenn die Beschreibung der Eigenschaft „scharfkantig" der DIN EN 1338 eingehalten ist. Dies gilt auch für Pflastersteine im eingebauten Zustand. Pflastersteine, die zu engfugig oder mit Stein-zu-Stein-Kontakt – und somit nicht fachgerecht – verlegt worden sind oder deren Unterlage (Tragschichten und Untergrund) nicht ausreichend tragfähig und frostsicher ist, werden infolgedessen – eventuell bereits beim Abrütteln – Kantenbeanspruchungen ausgesetzt, denen auch hochwertige Betone nicht widerstehen können. Unsachgemäße Verlegung kann somit auch bei mängelfreien, d. h. DIN EN-gerecht gelieferten Betonpflastersteinen zu Abplatzungen führen, die nicht mehr geringfügig sind. Kantenabplatzungen können die Nutzungssicherheit, z. B. für Fußgänger, auf der betroffenen Fläche einschränken. Gefaste oder ähnlich ausgebildete Kanten mindern generell die Gefahr von Kantenabplatzungen. Die Herstellerunterlagen geben in der Regel Auskunft über die lieferbaren Produkttypen.

 

Farb- und Texturabweichungen


Farb- und Texturabweichungen sind aufgrund der Verwendung von natürlichen Rohstoffen (z. B. Gesteinskörnungen, Zement), die natürlichen Schwankungen unterliegen, nicht vermeidbar. Darüber hinaus haben Form und Größe der Pflastersteine, technisch nicht vermeidbare Schwankungen der Betonzusammensetzung, Witterung, Betonalter usw. Einfluss auf die Farbe sowie auf die Textur der Betonprodukte. Dies gilt sowohl für nicht nachträglich bearbeitete Erzeugnisse, als auch für solche mit werksteinmäßig bearbeiteter Oberfläche. Farb- und Texturabweichungen können daher bei Pflastersteinen aus Beton fertigungs- und rohstoffbedingt auftreten. Zufällige Unregelmäßigkeiten sind für die Technologie dieser Erzeugnisse charakteristisch; dies ist bei der Beurteilung des Gesamteindruckes des Gewerkes zu berücksichtigen. Der optische Gesamteindruck des Gewerkes kann nur aus dem üblichen Betrachtungsabstand des Nutzers und unter gebrauchsüblichen Beleuchtungs- und sonstigen Randbedingungen beurteilt werden. Insofern stellen fertigungs- und rohstoffbedingte Farb- und Texturabweichungen, je nach Einzelfallbetrachtung, in der Regel keinen Mangel dar. Farb- und Texturabweichungen sind technisch unbedenklich und beeinträchtigen nicht die mechanischen Eigenschaften der Pflastersteine sowie die der daraus hergestellten Flächenbefestigung (vgl. auch DIN EN 1338).

Die Bewitterung und die mechanische Beanspruchung führen bei Pflasterdecken zu einer Veränderung von Farbe und Oberflächentextur. Eventuell anfangs vorhandene Unterschiede gleichen sich im Laufe der Nutzung an. Das ursprüngliche Erscheinungsbild der Pflasterfläche verändert sich mit zunehmender Nutzungsdauer. Dieser Prozess wird zusätzlich durch Art und Intensität der Reinigungs- und Pflegearbeiten beeinflusst. Wird die Wahl für einen bestimmten Pflasterstein z. B. anhand von Musterflächen oder Bauwerken getroffen, die bereits der Witterung und Nutzung ausgesetzt sind, ist zu berücksichtigen, dass gleichartige neue Produkte diesen Einflüssen noch nicht ausgesetzt sind und Farb- und Texturunterschiede zur ursprünglichen Musterfläche bzw. zum ursprünglichen Bauwerk aufweisen können. Dies gilt sinngemäß auch für Nachlieferungen. Bei der Verlegung sollte aus mehreren Paketen gleichzeitig gearbeitet werden. So fallen gegebenenfalls vorhandene Farb- und Texturabweichungen am wenigsten auf. Auch innerhalb eines Steinpaketes können nicht alle Steine hinsichtlich ihrer Farbe und Textur identisch sein.

 

Ausblühungen


Unter Ausblühungen wird eine vorübergehende, im trockenen Zustand sichtbare, weißliche Ablagerung auf der Oberfläche der Produkte verstanden, die unterschiedlich intensiv und/oder fleckenartig sein kann. Verunreinigungen, z. B. durch Lagerung von Baumaterialien, Bauabfällen usw., können ein ähnliches Erscheinungsbild aufweisen, sind jedoch keine Ausblühungen.
Das Auftreten von Ausblühungen wird in erster Linie durch besondere Witterungsbedingungen hervorgerufen, denen die Erzeugnisse insbesondere im jungen Alter ausgesetzt sind. Sie sind technisch unbedenklich und beeinträchtigen nicht die mechanischen Eigenschaften der Pflastersteine sowie der daraus hergestellten Flächenbefestigung (vgl. auch DIN EN 1338).
Unter normaler Beanspruchung (Witterung, Verkehr usw.) nehmen die Ausblühungen mit der Zeit ab. Da nur der Anteil Kalk aus dem Zement an die Oberfläche treten kann, der nicht von anderen Ausgangsstoffen im Beton fest gebunden ist, kommt es nach dem Abklingen von Ausblühungen in der Regel nicht erneut zu diesem Effekt. Ein Auswechseln der Produkte oder andere Maßnahmen gegen Ausblühungen sind daher nicht empfehlenswert.


Quelle:
"Dauerhafte Verkehrsflächen mit Betonpflastersteinen - Richtig planen und ausführen"
Herausgeber: SLG, Bonn in Zusammenarbeit mit der BetonMarketing Deutschland GmbH, Erkrath
Autoren: Prof. Dr.-Ing. Martin Köhler, Dipl.-Ing. Dietmar Ulonska, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Frohmut Wellner
4., fachlich und redaktionell überarbeitete Auflage, Juni 2014