Kunst unter dem Hammer

"Der Besucher" kam wie alle anderen Arbeiten unter den Hammer, aber er bleibt als preisgekröntes Kunstwerk ebenso auf der Mainau wie die Skulpturentrilogie mit dem Titel "Unverzichtbar", die für die Kunstliebhaberin Bettina Gräfin Bernadotte unverzichtbar und ihr daher 3600 Euro wert war. Bei der Auktion am 6. Oktober fand der überwiegende Teil der Kunstwerke seine Liebhaber und die jungen Künstler ihre Käufer. Die Versteigerung war der Abschluss des 5. Kunstworkshops Artist at Work, einer Initiative von braun-steine, der während der Sommermonate Teil des Kunst- und Kulturprogramms der Insel Mainau war. Mit dem Gesamterlös der Versteigerung von 12.180 Euro wird neben dem Honorar der jungen Künstler auch die Nachsorgeklinik für Kinder in Tannheim mit 25% der Summe unterstützt.

Mit dem Anspruch jungen Künstlern Kontakte mit Kunstinteressierten zu bieten, den Kunstkauf zu fördern, Kunst in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken und mit kreativen Möglichkeiten des Materials Beton zu überraschen, hat Artist at Work inzwischen seinen festen Platz in der Kunstszene und unter den Kunstwettbewerben in Deutschland und den angrenzenden Ländern.

Neben den organisatorischen Trägern und Hauptsponsoren Mainau GmbH und braun-steine GmbH war das Europäische KulturForum Mainau e.V.  ideeler Träger und Gräfin Bettina Bernadotte zum zweiten Mal Gastgeberin auf der Insel Mainau. Mit im Boot waren zahlreiche Sponsoren unterschiedlicher Branchen, ohne deren Unterstützung die Durchführung von Artist at Work nicht möglich wäre.

Beim einwöchigen Workshop Ende Juli hatten die elf nominierten Nachwuchskünstler unter fachkundiger Betreuung von Peter Aicheler (Aicheler & Braun, Tübingen) und seinem Team die vorgegebene Menge von 0,5 m3 Beton in Form gegossen, geschalt und modelliert. Für die Teilnehmer  war es ein spannender Prozess, die flexiblen Eigenschaften des ungewohnten Materials und seine gestalterischen Möglichkeiten auszuloten und ihre Kreativität mit dem, was technisch und statisch möglich ist, in Einklang zu bringen. Die Besucher der Mainau erlebten live vor Ort, welche handwerkliche Arbeit zwischen Entwurf und Skulptur liegt.
Die Resultate waren auch in diesem Jahr verblüffend unterschiedlich und die jungen Künstler nutzten die gesamte Bandbreite, die ihnen das Material bietet, arbeiteten zusätzlich mit Farbe und Lasur. Philosophisch betrachtet ermutigt die künsterlische Verwendung des alltäglichen Werkstoffs Beton, Kunst in den Alltag einzubeziehen und sie nicht davon zu trennen. Dazu kommen das Zusammenspiel von Raum und Mensch und der Einfluss der umgebenden Natur.  "Wenn die Vorstellungen des Künstlers auf die Natur treffen, entwickeln sich neue Formen, wodurch erlebbare, sich ständig verändernde Blickwinkel auf Räume ermöglicht werden", verwies Bettina Grafin Bernadotte auf die daraus entstehenden Wechselbeziehungen, die nur so auf der Mainau möglich sind.

Unter diesem Aspekt fügt sich der "Besucher" harmonisch in das Ensemble aus Schloss und Gartenanlage und wirkt vor der Kulisse wie eine antike Terrakotta. Die Betonskulptur von Hermann Grüneberg, Student der Hunsthochschule Halle, ermöglicht rundum betrachtet immer neue Entdeckungen, eröffnet verschiedene Sichtweisen und wurde von der kompetent besetzten Jury aus Kunstprofessoren und Künstlern mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Nach der nicht ganz einfachen Entscheidungsfindung nominierte die Jury  Lenka Richternovà und Moritz Gramming für zwei 2. Plätze und Johannes Fötsch mit "Unverzichtbar" für den 3. Platz. Der Wettbewerb war mit insgesamt 4100 Euro dotiert.

... zur Bildergalerie Artist at Work 2013

Jury:
Prof. Ulrich Klieber, Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design, Halle
Prof. Dieter Rehm, Präsident Akademie der Bildenden Künste, München
Hans Thomann, Künstler, St. Gallen – Schweiz
Prof. Dr. Roland Doschka, Präsident Europäisches KulturForum Mainau e.V.
Dr. Michael Brunner, Kulturreferent der Stadt Überlingen

Sponsoren: