Kleine Treppen führen zu lauschigen Plätzen

Bei der Gartengestaltung gelten ähnliche Regeln wie im Haus: Raum wird sinnvoll und ästhetisch gestaltet und die einzelnen Bereiche miteinander verbunden. Treppen können dabei zentrale Elemente sein.

Schon Höhenunterschiede von wenigen halben Metern bringen Dynamik ins Grundstück und betten das Haus in die organischen Formen einer eigenen Mini-Landschaft. Schmale gepflasterte Wege inmitten von üppigem Grün können dann wie ein roter Faden durch den Garten führen.

Doch Gartenwege wollen richtig geplant und angelegt sein. Stilrichtungen der Bau kunst gibt es zwar auch für die Gartengestaltung, doch letztlich muss sich alles an der Natur orientieren, speziell Wegeführung und Treppen, denn hier gilt der mensch liche Maßstab.
Sind kleine Höhenunterschiede zu bewältigen, stellt sich deshalb die Frage nach einer geneigten oder abgetreppten Lauffläche. Unsere Vorfahren haben aus Erfahrung gelernt und sich schon vor Jahrhunderten für die flachen Wegetreppen entschieden. Ihre noch heute gültigen Bau regeln basieren auf dem Schrittmaß und sind wesentliche Voraussetzung für bequemes Gehen.

Wer einmal die geneigten Gassen und Wege alter Orte bewusst beschreitet, wird feststellen, dass diese Wege unvermutet bequem sind – vom häufig holprigen Pflaster einmal abgesehen. Wer mitzählt, bemerkt, dass erst nach mindestens zwei normalen Schritten eine flache Stufe folgt. Auch längeres Auf wärts steigen gestaltet sich dadurch spürbar müheloser. Diese vergleichsweise „ergonomische" Planung von Stufen wegen wurde auch für die großen Freitreppen vor Schlössern und in Garten anlagen an gewendet. Hier war mühsames Treppensteigen nicht erwünscht, sondern vielmehr souveränes Beschreiten, und dabei wurde dann die Treppenanlage zur Bühne.

Nicht alle Gartentreppen sollen indes dekorativer Blickfang sein. Es gibt auch Treppen im Verborgenen, und die sind meist besonders reizvoll. „Kleine Treppen führen zu lauschigen Plätzen". Gefühle von Romantik und Intimität werden in diesem Satz deutlich, und auch die Feststellung, dass sich besonders schöne Plätze nicht selten im Verborgenen befinden. Die Treppen zu diesen beschaulichen oder intimen Orten sind weder einladend noch großzügig, sondern eher ein wenig steil und sogar unbequem. Sie wollen sich fast verstecken, um so mehr aber dazu reizen, etwas zu entdecken. Bauregeln dafür gibt es nicht, allein die Phantasie und das (eher unvollkommene) Können des Erbauers sind entscheidend. Auch darf die Natur alles ein wenig überwuchern.

In der Trilogie der Treppen gibt es jedoch auch die „notwendige" Gartentreppe. Als Zugang zum Haus hilft sie bei spielsweise schon im Vorgarten, die übliche Steigung auf das Erdgeschoss- Niveau zu überwinden und macht klobige, ans Haus gemauerte Treppen-Podeste entbehrlich. Dieser täglich von Bewohnern und Besuchern benutzte Treppenweg muss deshalb optimal geplant sein, und dafür sind die bekannten Schrittmaß- und Bequemlichkeitsregeln unabdingbar.

Das richtige Schrittmaß zu finden ist jedoch nicht einfach und sollte nicht nur mathematisch ermittelt werden (Formel siehe unten). Praktisch denkende Bauherren suchen zur Planung ihrer Wegetreppe im Vorgarten nach bereits gebauten Beispielen und notieren sich einfach die Baumaße.

 

Treppenformel:

2 x Steigung     ______ cm
1 x Auftritt        ______ cm
_______________________
                      = 62 – 65 cm

 

 

Joachim Schmidt, Architekt BDA