Den Garten nach Bedarf ausbauen

Der Garten soll zu Lebensphasen passen. Aus dem Sandkasten wird das Hochbeet. Aus der ehemaligen Spielfläche für die Kleinen der große Freiraum für Entspannung.

Dipl.-Ing. Brigitte Röde
Landschaftsarchitektin

braun-steine: Wie lässt sich verhindern, dass der Garten eines Tages den Vorstellungen nicht mehr gerecht wird und vielleicht sogar völlig neu gestaltet werden muss?

Brigitte Röde: Indem man sich vor der Anlage eines Gartens möglichst genau überlegt, welche Anforderungen und Wünsche er sowohl aktuell als auch langfristig erfüllen soll. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen kann man den Garten entsprechend den finanziellen Mitteln in Etappen ausbauen. Außerdem kann man verhältnismäßig leicht auf Nutzungsänderungen reagieren. Wenn die Grundlinie stimmt, fügt sich alles hinein. Denkbar ist sogar eine rasterartige Planung, wonach der Garten ähnlich einer Wohnlandschaft immer wieder umgewandelt werden kann. Vor allem für junge Familien ist ein vorausschauendes Konzept interessant, weil ihr Budget häufig knapp ist und die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen.

braun-steine: Aber wenn die Kinder größer geworden sind, möchte man seine eigenen Vorstellungen verwirklichen. Was wird dann aus der Spielecke?

Brigitte Röde: Ein nicht mehr benötigter Spielbereich mag für einen gemütlichen Sitzplatz mit Grill oder Außenkamin geeignet sein. Aus dem Sandkasten kann ein Wasserbecken werden. Oder wie wäre es mit einem Whirlpool? Der Rasen lässt sich in einen Teich verwandeln. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

braun-steine: Was wäre denn die erste Ausbaustufe nach Ihrem Mehrphasenmodell?

Brigitte Röde: Alles was dem Garten Struktur gibt, hat Vorrang. Beispielsweise Geländeabstufungen. Solche Maßnahmen müssen auf Dauer Bestand haben. Hierbei zu sparen, wäre falsch. Dafür lieber die Terrasse oder Wege erst einmal nur mit Kies belegen. Überhaupt sind zunächst eher optisch zurückhaltende Gestaltungselemente vorzuziehen, allerdings ohne Abstriche bei der Qualität. Es kommt darauf an, dass sie später ergänzt werden können. Modische Materialien könnten bald nicht mehr gefallen und müssten dann ausgetauscht werden. So erhält man einen zwar schlichten, aber durchaus fertigen Garten. Mit der Zeit wird er differenzierter und erlebnisreicher.

braun-steine: Mit einer professionellen Planung ist man da sicher gut beraten.

Brigitte Röde: Die Zusammenarbeit mit einer Gartenarchitektin oder einem Gartenarchitekten kann ich nur empfehlen. Sie macht sich langfristig bezahlt, weil sie vor Fehlentscheidungen und unnötigen Kosten bewahrt. Zudem wird auch die Auswahl und  Entwicklung der Pflanzen bedacht.

braun-steine: Können Sie dazu einige Anregungen geben?

Brigitte Röde: Auch bei Neuanlagen empfiehlt es sich, gerüstbildende Gehölze bereits als ältere beziehungsweise höhere Exemplare einzubringen; oft sind es schnellwüchsige und daher preisgünstige Arten. Wertvolle Solitäre gehören an Standorte, wo sie sich ungestört entwickeln dürfen. Anstatt nun, wie es oft geschieht, freie Flächen mit bunten Sommerblumen aufpeppen zu wollen, sollte man gleich ein gut abgestimmtes Sortiment Stauden verwenden. Dann sieht auch ein noch junger Garten schon sehr natürlich aus. Und es blüht immer etwas.

braun-steine: Der Garten soll uns erfreuen, aber keine Mühe machen.

Brigitte Röde: Ganz ohne Pflege geht es nicht und Gartenarbeit macht ja auch Spaß. Aber niemand sollte zum Sklaven seines Gartens werden. Es ist ideal, wenn wir darin etwas tun können, ohne es unbedingt zu müssen. Wenn er uns auch zum Faulsein einlädt – in der Sonne liegen, ein Buch lesen, mit Freunden den Feierabend genießen ...

braun-steine: Vielen Dank für das Gespräch.



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Die 7 Schritte zum Erfolg
Von Brigitte Röde
BLV Buchverlag GmbH & Co. KG,
München
ISBN: 3-405-16760-4